Wolfgang Louzek, Präsident des Verbands der institutionellen Immobilieninvestoren, über die heilige Kuh Mietrechtsgesetz, den fehlenden Mut der Politik für nachhaltige Veränderungen und seinen Kampf gegen Windmühlen.
Report: Ihre Arbeit erscheint als Kampf gegen Windmühlen. Wo konnten Sie in den letzten Jahren den Hebel für Veränderungen ansetzen und welche Türen sind nach wie vor fest verschlossen?
Louzek: Das ist schwer zu beantworten. Aber ich glaube, wir können mit Recht sagen, dass es uns zumindest gelungen ist, das Thema im Bewusstsein der politischen Entscheidungsträger zu platzieren. Die aktuellen Regierungsparteien sind ja auch schon übereingekommen, dass sich beim Miet- und Wohnrecht etwas verändern muss. Was genau geändert werden muss, divergiert allerdings noch sehr stark. Wir haben auch bei vielen kleineren Novellen Nadelstiche platzieren können. Der große Wurf, die Herauslösung der Geschäftsraummieten aus dem MRG, ist aber noch nicht gelungen.
Report: Wo setzen Sie derzeit den Hebel an?
Louzek: Wir versuchen, uns auf allen Ebenen der Wahrnehmung Gehör zu verschaffen. Da ist auch viel Klinkenputzen dabei. Wir sind in engem Kontakt zu den Bereichssprechern der Parteien und vernetzen uns mit anderen, ähnlich gelagerten Interessensvertretungen. Wenn man lange genug an einem Thema dran bleibt, es am Köcheln hält, dann wird hoffentlich einmal der Zeitpunkt kommen, an dem auch die Politik nicht mehr daran vorbei kann. Inoffiziell stimmen viele Politiker unseren Forderungen zu, nur offiziell sagen dürfen sie es nicht.
Report: Wie geduldig oder ungeduldig sind Ihre Mitglieder?
Louzek: Die meisten unserer Mitglieder sind sehr geduldig. Sie wissen, dass die Mühlen in Österreich langsam mahlen. Schwierig ist es mit ausländischen Investoren. Da fehlt dann oft jegliches Verständnis für die österreichischen Eigenheiten. Das hat Konsequenzen und verhindert natürlich auch Investitionen.
Report: Wie hat sich der Immobilienstandort Wien aus Ihrer Sicht im letzten Jahr entwickelt?
Louzek: Mit Ausnahmen vielleicht des ersten Bezirks höre ich von den Kollegen, dass die Mieten stagnieren. Deswegen kann ich das Klagen von Interessensvertretungen über steigende Mieten auch nicht verstehen. Da werden Statistiken falsch interpretiert und Äpfel mit Birnen verglichen. Im internationalen Vergleich ist Wien nach wie vor ein lohnenswerter Standort für Immobilieninvestoren. Alleine in der Metropolstatistik Europas rangieren wir im letzten Drittel, da gibt es mittelfristig noch einiges zu holen.
Report: Spüren Sie ein verstärktes Interesse ausländischer Investoren?
Louzek: Das ist im Moment schwierig, alle sind ein wenig zurückhaltender als sonst. Ein Privater kann frei über sein Geld verfügen und wenn er denn will, relativ einfach antizyklisch investieren. In Unternehmen ist das anders. Da muss jede Investition erklärt werden. Diese Flexibilität privater Investoren führt etwa dazu, dass wir im Bereich von Zinshäusern oder Eigentumswohnungen beinahe schon wieder Vorkrisenniveau erreicht haben. Man muss sich um die Branche aber keine Sorgen machen. Auch wenn es vielleicht noch ein wenig dauert, aber es werden wieder Büros und Geschäftsflächen nachgefragt werden. Und es wird auch wieder gebaut werden.
Report: Dieses Phänomen ist aber nicht nur auf die Krise zurückzuführen, diese Zyklen gehören zum Geschäft.
Louzek: Die Krise hat die natürlichen Zyklen verstärkt. Im Kern gab es diese Entwicklungen aber immer schon. Ich erinnere mich noch an die Zeit des ersten Zinshausbooms knapp vor der Weltausstellung. Da sind Objekte im zweiten Bezirk zu abenteuerlichen Fantasiepreisen über Nacht weiterverkauft worden. Da sind Immobilien zur Handelsware geworden. Und dann ist das Ergebnis der Volksbefragung bekannt worden und die aktuellen Besitzer sind auf extrem überteuerten Objekten sitzen geblieben.
Report: Wo sehen Sie in Wien das größte Entwicklungspotenzial?
Louzek: Ich denke, dass man mittelfristig in Richtung Norden gehen muss. Der Süden ist weitgehend verbaut und auch nicht mehr wirklich attraktiv. Aber im Norden in der Nähe der U-Bahn-Stationen sehe ich ein großes Potenzial.
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